Eine Masnavi-Handschrift als materielles Objekt lesen
Grundansatz
Masnavi-Handschriften sind mehr als Textbehälter. Papier, Schrift, Spalten, Illumination, Einband, Randnotizen und Kommentare zeigen, wie das Werk hergestellt und gelesen wurde.
Struktur der Evidenz
Die Library of Congress besitzt eine vollständige Kopie von 1441 mit sechs Büchern und rubricierten Überschriften. Eine Handschrift von 1498 ordnet Text und Kommentar in unterschiedlichen Spalten an.
Kontext bewahren
Das Metropolitan Museum bewahrt eine reich illustrierte sechs-bändige Handschrift von 1488–89.
Quellen und weiterführende Lektüre
Historischer Kontext
Rumis Leben und Werk gehören in die gelehrte, religiöse und literarische Welt des persischsprachigen Anatolien des 13. Jahrhunderts. Eine belastbare Darstellung unterscheidet daher zeitnahe Belege, spätere mevlevische Erinnerung und moderne populäre Nacherzählungen. Spätere Tradition wird dadurch nicht wertlos; vielmehr wird sichtbar, welche Art von Aussage eine Quelle tragen kann.
Text und Überlieferung
Rumis Korpus besteht aus unterschiedlichen Textsorten. Das Masnavi ist ein didaktisches Gedicht in sechs Büchern mit ungefähr 26.000 Versen, der Divan lyrische Dichtung und Fihi ma fihi Material aus Aufzeichnungen seines Lehrkreises. Briefe, Predigten und spätere Biographien beantworten andere historische Fragen. Gattung und Überlieferung müssen deshalb vor einer biographischen Deutung berücksichtigt werden.
Vertiefende Interpretation
Eine vertiefte Lektüre verfolgt Bilder und Geschichten über einzelne Zitate hinaus. Im Masnavi kann eine Erzählung unvermittelt in direkte Anrede, Kommentar oder eine weitere eingebettete Geschichte übergehen; gerade diese Bewegung gehört zur Lehrmethode. Der Vergleich mit Fihi ma fihi und dem Divan zeigt Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede von Stimme, Publikum und literarischer Funktion.